Doppelklang Leipzig

Wir wollten endlich mal raus aus Berlin – unser Choraustausch mit CantaAnimata

Nach über einem Jahr Planung war es endlich so weit: Vom 25. bis 27. September 2026 fuhren wir, die Mighty Mondays, nach Leipzig, um mit dem dortigen Frauenchor CantaAnimata zu proben, zu singen und zu feiern.

Da wir noch nie an einem Choraustausch teilgenommen hatten, waren wir gespannt, was uns in Leipzig erwarten würde. Die Leipzigerinnen sind gut doppelt so viele wie die Mighty Mondays. Im Vorfeld fragten wir uns: Wie wird es wohl sein, als deutlich kleinerer gemischter Chor gemeinsam mit so viel geballter Frauenpower zu singen? Es wurde unglaublich toll!

Am Freitagabend wurden wir mit einer Herzlichkeit empfangen, die mich sehr berührt hat. Beim gemeinsamen Essen vom Mitbring-Buffet der Leipzigerinnen kamen wir schnell miteinander ins Gespräch. Doch wir waren ja nicht zum Essen und Plaudern nach Sachsen gefahren! Nach dem Essen begann die Chorprobe.

Zum ersten Mal hörten wir, wie die gemeinsam gesungenen Lieder mit dem jeweils anderen Chor klangen. Wir Mightys waren beeindruckt – vielleicht auch ein bisschen eingeschüchtert – von dem vollen Klang, mit dem die gut 50 CantaAnimata-Frauen die Aula erfüllten. Gegen 21 Uhr beschlossen unsere Chorleiterinnen, Antje Laabs (Mighty Mondays) und Regina Kolb (CantaAnimata), dass wir genug geprobt hatten, und wir verabschiedeten uns fürs Erste. Einige von uns übernachteten in Leipziger Hotels, andere hingegen, so wie ich, kamen privat bei den Leipzigerinnen unter.

Am nächsten Morgen hieß es für viele von uns, sehr früh aufzustehen. Bereits um 9 Uhr waren wir zu einer Bootstour auf den Wasserstraßen entlang der hübsch restaurierten Fabrikgebäude von Leipzig-Plagwitz unterwegs. Es war zwar noch ziemlich kalt, aber die Stadt vom Wasser aus zu sehen, hat was! Etwas später konnten interessierte Chormitglieder das musikalische Zentrum im Rahmen der Notenspur-Spaziergänge erkunden.

Am frühen Nachmittag trafen wir uns in der Bethanienkirche, in der ein paar Stunden später das gemeinsame Doppelklang-Konzert stattfinden sollte. Wir sangen noch einmal die gemeinsamen Lieder, hörten uns in den Raumklang der für uns fremden Kirche ein und machten eine Stellprobe. Die Zeit verflog und schon standen die ersten Gäste vor der Tür.

Wir eröffneten das Konzert gemeinsam mit „Herzlich Willkommen“, einem von unseren Chorleiterinnen gemeinsam verfassten Gruß ans Publikum. Danach sang zunächst CantaAnimata allein Stücke von Anna Depenbusch (Irgendwo ist oben), Joni Mitchell (Big Yellow Taxi), Paul McCartney (Pipes of Peace) und anderen, begleitet von Klavier und Cajón.

Wir waren begeistert vom tollen Chorklang der Leipzigerinnen. Anschließend sangen wir, im kompletten Kirchenraum verteilt, gemeinsam „Ide Were“, ein traditionelles Lied der afrikanischen Yoruba, das der Göttin der Liebe, Oshun, gewidmet ist. Danach ging es für unseren Berliner Chor auf die große Bühne. Natürlich begrüßten wir das Publikum noch einmal mit unserem Lied „Montagssänger“. Anschließend sangen wir „Here Comes the Sun“ von George Harrisons, und tatsächlich schien die Sonne spätsommerlich in die Kirche. Mit „Wochenend und Sonnenschein“ von den Comedian Harmonists besangen wir die Sehnsucht der Großstadtmenschen nach einer Auszeit im Grünen. Dann kam eines meiner Lieblingslieder, die inoffizielle Hymne Südafrikas, „N‘Kossi sikele Afrika“. Bei diesem Lied entspannte sich der Chor merklich. Anschließend entführten wir unsere Gäste musikalisch ans Meer und besangen das zarte Flirren träger Hochsommertage in Charles Trenets „La Mer“. Mit „Azzurro“ von Paolo Conte Blau ging es blau weiter. Unser Konzert beendeten wir mit einem „Schlimmen Schlager“, dem „Farbfilm“ von Nina Hagen. In diesem Lied bringen zahlreiche choreografische Elemente dem Publikum die Enttäuschung über die nur in Schwarz-Weiß fotografierten Urlaubserinnerungen nahe.

Zum Abschluss sangen wir mit CantaAnimata noch ein gemeinsames Stück, einen fiesen Ohrwurm auf die Melodie von „Don‘t Worry“. Mit einem herbstlichen Mitsingstück verabschiedeten wir uns von unserem tollen Publikum, denn wir wollten mit unseren Gastgeberinnen noch feiern.

Bei einem weiteren leckeren Buffet wurde der gesellige Abend eingeläutet. Im Anschluss sorgte DJ Ricky im liebevoll geschmückten Gemeindesaal der Kirche für eine gut gefüllte Tanzfläche, immer wieder unterbrochen von kleinen Performances der Leipzigerinnen, die nicht nur Chorgesang können, sondern auch Rocken. So wurde es ein langer, schöner Abend zu Gast bei neuen Freundinnen.

Am Sonntagmorgen fuhren wir in einer größeren Gruppe wieder nach Berlin. Wir ließen das tolle Chorwochenende bei CantaAnimata Revue passieren, an das wir uns sicher noch lange erinnern werden. Zugleich wurde uns am Wochenende immer wieder deutlich, wie viel Zeit und Herzblut die Leipzigerinnen in unseren Besuch gesteckt haben mussten. So sammelten wir noch im Zug erste Ideen für den Gegenbesuch der Sängerinnen in Berlin im Mai 2027.

Ich freue mich schon sehr darauf, wieder gemeinsam mit den Leipzigerinnen zu proben, zu singen und zu feiern. Mal gucken, ob sie dann singen werden:
Wir wollten mal aus Leipzig raus…?

 

Text: Juliane

Fotos: Anna, Grit, Gudrun